Korsika – ein fotografischer Reisebericht

Die viertgrößte Mittelmeerinsel Korsika ist mit ihren landschaftlichen Kontrasten ein Leckerbissen für Fotografen und Freunde unberührter Natur. Mehr als 2700 Meter erhebt sich Korsika über das Meeresniveau und eröffnet dem eifrigen Entdecker einen ganz eigenen Charme. Von den flachen Sandstränden der Ostküste über die zerklüfteten Ausläufer der Bergmassive bis zu den von Klippen umsäumten Sichelbuchten der Westküste bietet sich ein stetig wechselndes Bild unberührter und wilder Landschaften. Touristisch weitestgehend unerschlossen ist die »Insel der Schönheit« ein Geheimtipp für Individualurlauber.

Auf Fotosafari durch Korsika – oder was sonst noch zu erleben ist

Dieses fotografische Reisetagebuch ist eigentlich gar kein Reiseführer. Ich bitte um Entschuldigung, Sie werden hier weder vollständige Informationen über Korsika, noch umfassende Reisetipps finden. Vielmehr sollen hier einige Erfahrungen und Geheimtipps ausgeplaudert werden, die Sie so vielleicht in keinem Reiseführer finden. Es gibt Menschen, die besuchen Korsika seit Jahrzehnten, und wissen doch nichts über sie. Korsika will entdeckt werden, gewiss ist es ist etwas anstrengend, aber wer sich die Mühe macht, wird belohnt.

So gibt es unzählige Möglichkeiten, die Insel kennen zu lernen. Das Gebirge bietet sich für lange, ausgedehnte Wanderungen an, tiefe wildromantische Schluchten und Täler laden zum Verweilen ein. Durch viele schlängeln sich wilde Bäche, mit vielen Stellen die zum Baden einladen. Auch Wasserfälle gibt es so einige; natürlich kann man sich auch an eine der vielen Strände, Meeresbuchten oder Gebirgsseen zurückziehen und einen entspannten Badetag verbringen. Die verträumten Örtchen laden zu einem abendlichen Spaziergang durch enge Gässchen ein, man kann freilich auch größere Städte besichtigen und einkaufen gehen.

Somit ist die Insel zu jedem Zeitpunkt ein Kontrastprogramm, sie bietet dem Entspannung- und Ruhesuchendem genauso eine Zuflucht wie dem neugierigen Abenteurer oder dem an der südländischen Kultur Interessierten.

Viel Spaß beim Lesen!

Über die Insel

Cap Corse Canon EOS 350D, EF 17-40L, f9 25s, Infrarotaufnahme

Cap Corse
Canon EOS 350D, EF 17-40L, f9 25s, Infrarotaufnahme

Mit einer Oberfläche von 8720 Quadratkilometern, einer Breite von 83 km und einer Länge von 182 km gehört die Heimat Napoleons zu den größeren Inseln im Mittelmeer. Korsikas Nachbarin Sardinien ist nur 12 km entfernt, das italienische Festland 83 km und das Französische 170 km. Von vielen Stellen an der Küste aus kann man die großen und kleinen Nachbarinseln sehen.

In Ajaccio und Bastia lebt beinahe die Hälfte der 220 000 Einwohner, der Rest verteilt sich in dünner Besiedlung auf der Insel, viele Landstriche sind gänzlich unbewohnt. Korsika ist dennoch recht vielfältig was seine Landschaft, aber auch die Kultur und Bräuche angeht. Unbewohnt, jedoch nicht unberührt ist die Vegetation. Die ursprünglichen Pflanzen sind längst von Menschenhand eingeführten Arten von Kiefer, Eiche oder Kastanie gewichen.

Korsika gehört zu Frankreich. Es wird französisch gesprochen, aber italienisch ist ebenfalls anzutreffen. vor allem im Inland jedoch herrscht Korsisch ebenfalls als eigene Sprache vor. So fühlen sich die Menschen auch eher als Korsen mit französischem Pass. Die rege Aktivität der separatistischen Gruppierungen zeigt dies deutlich, wobei sich die effekthascherischen Aktionen wie das gelegentliche Sprengen von Gebäuden unliebsamer Investoren nie gegen Touristen richten.

Fototechnik: Allgemeines zur Fotografie auf Korsika

Korsika wird Sie mit Motiven und Stimmungen überschwemmen. Besonders Liebhaber der Landschaftsfotografie und der Schwarz-Weiß-Fotografie werden auf ihre Kosten kommen. Die Insel der Kontraste bietet diese auch im visuellen, wenn Stadt und Natur aufeinandertreffen mit stetig wechselnden Lichtverhältnissen und Schattierungen.

Beim Fotografieren von Menschen sollte man Fingerspitzengefühl walten lassen. Das ostentative Hantieren mit einem kiloschweren Teleobjektiv trägt nicht zum Aufbau einer harmonischen Beziehung zwischen Modell und Fotograf bei. Viel schönere Fotos entstehen, wenn man sich vorher verständigt – das funktioniert auch wenn man die Sprache nicht beherrscht. Sollte dann doch einmal der unwahrscheinliche Fall eintreten, ein klares »nein« die Antwort zu sein, tut man gut dies zu respektieren.

Zu den Fotografiertabus zählen militärische Anlagen. Dazu zählen zwar auch strategische Anlagen wie Brücken oder Eisenbahnen, doch wird sich kaum jemand daran stören, wenn man irgendein Viadukt oder Calvis Zitadelle ablichtet. Für Museen und Ausstellungen kümmert man sich besser vorher um eine Fotografiererlaubnis, was gut begründet wenige Probleme machen sollte.

In Frankreich gibt es die Panoramafreiheit so nicht. Der Eiffelturm ist ein Kunstwerk, somit dürfen Bilder die dieses Kunstwerk als zentrales Motiv beinhalten nicht vermarktet werden. Dafür – so meine ich – gibt es das Recht am eigenen Bild nur in Deutschland in dieser Art. Ich bin allerdings auch kein Jurist und im Zweifelsfall gilt immer, lieber vorsichtig sein. Wo jedoch kein Kläger… Falls ein werter Leser hier zur Klärung beitragen kann, ergänze ich diese Informationen.

Flora und Fauna

Moriani Plage Canon D60, EF 28-135 IS, f4 1/15s

Moriani Plage
Canon D60, EF 28-135 IS, f4 1/15s

Die einheimische Fauna ist hauptsächlich auf die Flora aus. Wilde Tiere und Bestien gibt es auf Korsika kaum – von den gefräßigen und blutgierigen Mücken abgesehen. Freuen kann sich da, wer einen Hausgecko sein eigen nennt. Ich nenne so die Geckos, die herausgefunden haben, dass es sich im Schatten der Terassenlampe am Besten jagt. Reglos kleben Sie an der Wand oder unter der Decke und warten auf ein unvorsichtiges Insekt.

Neben den eher harmlosen Geckos und zahlreichen Eidechsen gibt es aber auch auf Korsika Tiere, vor denen man sich lieber ein bisschen in Acht nimmt. Auch die Tarantel und schwarze Witwe sind hier angeblich anzutreffen, uns sind diese Tiere nach drei Aufenthalten jedoch noch nie begegnet. Stellenweise sind mehr als 50% der Insektenarten endemisch, das heißt nur auf dieser Insel vorkommend. vor allem bei den Schmetterlingen gibt es einige sehr schöne und sehr große Exemplare, aber auch viele verschiedene Libellen und Käfersorten. Makrofotografen werden ihren Spaß haben.

Neue Freunde? Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f6.3 1/60s

Neue Freunde?
Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f6.3 1/60s

Eher harmlos ist das recht scheue europäische Mufflon, eine endemische Schafsart. Auch Wildschweine lassen sich trotz ihrer großen Zahl selten blicken. Nicht wirklich wild, aber freilaufend anzutreffen sind die domestizierten Tiere. Allen voran Schweine und Ziegen, sowie Rinder, Schafe und Pferde. Schildkröten gibt es hier übrigens auch. Grundsätzlich ist die Anzahl unterschiedlicher Arten jedoch eher übersichtlich, nicht untypisch für eine Insel. Dies gilt auch für die Vogelarten. Ganz im Gegensatz (mal wieder) steht dazu der Artenreichtum der Meeresbewohner um die Küste, welcher für Taucher sehr spannend ist. Vor der Galeerenqualle sollte man sich aber hüten.

Die Vegetation besteht aus ausgedehnten Kiefern-, Korkeichen- und Edelkastanienwäldern in den niedrigen und mittleren Lagen. Auch andere Eichenarten und Baumarten findet man. Die Macchia und Garigue ist ein niedriges Gewächs und bedeckt weite Teile der Insel. Olivenhaine, Feigenkakteen und Agaven sind allerorts anzutreffen. Dabei ist der Bewuchs keineswegs so wild und unberührt, wie man annehmen möchte. Die Wälder sind weitgehend Kulturwälder, die Macchia eine Sekundärvegetation. Viele der Pflanzenarten, die als typisch korsisch gelten, sind von Menschen eingeführt. Deswegen sind die Kastanienwälder nicht weniger schön, nur ist Unberührtheit nicht immer so unberührt, wie sie scheint.

Im Flachland herrscht rege landwirtschaftliche Bodennutzung. Hier findet man zum Beispiel Olivenhaine, Weinreben und Zitrusplantagen. In den höheren Lagen führt man wieder die Nutzung von Esskastanien und Korkeichen ein. Einst zählte die Edelkastanie als das Hauptnahrungsmittel auf Korsika, nun wird sie als Delikatesse zu allerlei Lebensmitteln verarbeitet.

Fototechnik: Legen Sie Ihre Gewohnheiten ab!

Sie befinden sich in einer völlig neuen Umgebung, die Lichtsituationen sind anders, es ist beispielsweise sehr viel heller als in Deutschland. Ich habe in Deutschland die Kamera oft standardmäßig auf Zeitautomatik stehen, mit fest voreingestellter Blende so weit offen wie möglich (kleine Blendenzahl). Dies liegt einfach an den oft schwierigen dämmrigen Lichtbedingungen bei schlechtem Wetter.

Auf Korsika sollten Sie einmal ein paar Stufen abblenden. Mittlere Blendengrößen lassen Bilder schärfer werden, zu klein (16 und mehr) sollten Sie nicht gehen, da sonst die Beugungseffekte zu groß werden und den positiven Effekt zunichte machen.

Das gleiche gilt für den ISO-wert. Runter auf 100, oder gar 50 wenn es geht, es ist doch hell genug. Sonnenblenden sind obligatorisch, Sie schützen vor Streulicht und Blendenflecken. Wenn Sie hier Langzeitbelichtungen oder geringe Schärfentiefe wollen, brauchen Sie einen Graufilter. Mit einem Polarisationsfilter können Sie den Himmel abdunkeln, die Farbkontraste erhöhen und Lichtreflexe auf dem Meer mindern. Mit derer zwei ersetzen Sie jeden Graufilter.

Auf Korsika wird man einfach zum Landschaftsfotografen. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch mal andere Aspekte ausprobieren sollte, beispielsweise die Tierwelt zu fotografieren, die Menschen oder Makroaufnahmen.

Mobilität auf Korsika

Alltägliche Szenen Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f5.6 1/200s

Alltägliche Szenen
Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f5.6 1/200s

Wie Sie Korsika entdecken wollen, bleibt Ihnen überlassen. Tatsache ist, auf welche Art und Weise Sie es auch tun – sei es zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Bus – ohne etwas Anstrengung oder Mut wird es nicht gehen. Am herausforderndsten ist es zweifelsohne, sich zu Fuß auf den Weg zu machen. Korsika ist mit dem Flugzeug oder mit der Fähre dabei relativ problemlos zu erreichen. Der GR 20 (Grande Randonnée 20) gilt als der schwierigste Wanderpfad Europas. Der 170km lange Weg verbindet die Orte Calenzana und Conca querfeldein über das korsische Hochgebirge. Selbst erfahrene Wanderer schaffen den Pfad selten an einem Stück, was an die zwei Wochen dauert. Er verläuft durch alpines Gelände von mehr als 1.500 m ü. NN oft weitab von besiedelten Gebieten. Lange Strecken führen durch den Parc naturel régional de Corse, den korsischen Naturpark.

Nun wird ein Fotograf oder Durchschnittstourist kaum den GR20 bezwingen wollen (und können). Mit dem Bus kann man bequem die Hauptstrecken an den Küsten und die meisten touristischen Zentren Korsikas sowie bekannte Aussichtspunkte erreichen. Dazu zählen beispielsweise Ajaccio (korsisch Aiacciu), Hauptstadt des Departements Corse-du-Sud und Geburtsstadt Napoleons. Bastia (Bastia), Hauptstadt des Departements Haute Corse, wichtige Hafenstadt und Ankunftspunkt vieler Touristen und Fähren. Bonifacio (Bunifaziu) als südlichste Stadt Korsikas, hoch gelegen auf einer Klippe. Calvi (Calvi), eine wichtige Hafenstadt und touristisches Zentrum. Corte (Corti), die alte Hauptstadt Korsikas im Zentrum der Insel gelegen. Außerdem noch Sartène (Sartè), Saint-Florent (San Fiorenzu), Porto-Vecchio (Porti Vechju), L’Île-Rousse (Isula Rossa) und Porto. Durch die Verteilung der Orte über die gesamte Küste und auch das Inland ergibt sich automatisch bereits eine gewisse Reiseroute für Korsika-Neulinge. Man wird wohl erst bei Folgebesuchen dazu kommen, auch das Inland und damit die eigentlichen Geheimnisse Korsikas zu erkunden.

Am geschicktesten ist es, wenn man auf Korsika mit dem Auto unterwegs sein kann. Viele Täler und inländische Dörfer sind anders kaum zu erreichen. Mutig ist, wer sich auf die »weißen« Strecken begibt. Denn so gut die Hauptverkehrsadern ausgebaut wurden, so einsam und schmal zeigen sich viele Routen fernab der touristisch erschlossenen Gebiete. Jedoch, wer die wahre Schönheit Korsikas entdecken will wird nicht umhin kommen ins Unbekannte zu ziehen. Hier zeigt sich der Vorteil eines kleinen Autos, mit dem Van lassen sich die meisten Stellen mit etwas Geschick und Mut noch erreichen, Besitzer eines Wohnwagens sollten tunlichst vorher recherchieren, welche Strecken geeignet sind. Sonst kann es schnell passieren, dass man mehrere Kilometer rückwärts fahren darf, weil die Straße zu eng wurde oder ein Auto entgegenkommt. Dass man auf Haarnadelkurvigen Strecken ausgeschlafen sein sollte, versteht sich von selbst. Dies bezeugen auch die Zahlreichen Autowracks an den Hängen der Straßen.

Kleiner Geheimtipp: Das Cap Corse besucht man am besten in Richtung West-Ost, da man sich so nicht am äußeren Fahrbahnrand – oft kaum befestigt – bewegen muss. Wer den Nervenkitzel liebt und gute Aussichten, darf es natürlich versuchen. Genügend Haltebuchten gibt es überall, langsamen Autofahrern möchte ich hier auch dringend raten, davon Gebrauch zu machen, wenn der Einheimische Fahrer im Heck mal wieder drängelt. Schnell genug werden Sie sich an die egoistische französische Fahrweise gewöhnen. Waghalsige Überholmanöver gehören zum guten Ton, da die Schnellstraßen breit genug sind, wenn der Gegenverkehr sich rechts hält. Nur wissen muss man es.

Die Tücken einer Fährenfahrt

Wie beschrieben ist es also vorteilhaft, mit dem eigenen Fahrzeug anzureisen, möchte man sich französische Mietwagen nicht antun. Korsika ist auch so teuer genug als Reiseziel. Bereits jetzt sieht man in Deutschland viele Fahrzeuge mit den berühmten „corsica ferries“ Aufklebern. Wir haben uns 2007 bei unserem dritten, dreiwöchigen Besuch aufgrund der Zeitersparnis für die schnellere Verbindung mit Moby Lines entschieden. Ob man die zwei Stunden Zeitgewinn jedoch in Kauf nehmen will…

»Auf den Strecken nach und von Italien, Sardinien, Korsika und Elba werden Sie einen Komfort genießen können, der üblicherweise nur den Kreuzfahrtschiffen vorbehalten ist. Moby Lines legen von 10 Häfen ab und setzen auf all ihren 16 Routen Fähren ein, die Ihre Reise so angenehm und unterhaltsam wie möglich machen. […] Der besondere Touch spiegelt sich vor allem in der Atmosphäre an Bord wieder, der jedem Reisenden ein Gefühl von Urlaub und Entspannung gibt.« (Aus einem Werbetext)

Die Realität hat bisweilen mehr Gemeinsamkeit mit dem Charme einer Flüchtlingsübersetzung. Wenn man sich nicht flott einen guten Platz reserviert, landet man zwischen Babygeschrei neben der Imbisstheke, wo zweifelhafte Gerüche noch zweifelhafterer Toastsandwiches die Fahrt versüßen. Immerhin gibt es Klimaanlagen. Einzig auf Deck lässt es sich bei schönem Wetter aushalten. Die Mädchen sollten dabei auf Röcke lieber verzichten, sofern die Jungs nicht eine spannend-windige Fährenübersetzung erleben sollen. Übrigens, ganz Glückliche entdecken vielleicht den einen oder anderen Delphin, der die Fähre ein Stück weit nahe Korsika begleitet.

Fototechnik: Infrarotfotografie, Schwarz-Weiß-Fotografie

In Zeiten der Digitalkamera sind beide Sonderarten der Fotografie sowohl schwerer, als auch leichter geworden. Auf jeden Fall sind sie fast schon Massentauglich. Schwarzweißbilder lassen sich mit jeder guten Fotosoftware erzeugen.

Wer plant, monochrome Bilder zu schießen, muss allerdings bereits bei der Aufnahme seinen fotografischen Blick entsprechend justieren. Hier zählen nur die Kontraste und Bildelemente wie Linien, Flächen und Formen. Generell empfiehlt es sich, nicht die Kamerainterne Umrechnung nach Schwarzweiß zu benutzen. Es gibt viele Arten, aus einem Farbfoto die Farben zu entfernen. Nicht alle sind zu empfehlen. Am wenigsten Photoshops »Sättigung verringern«-Funktion.

Infrarotfotos sind ungleich komplizierter. Da heute die meisten Kameras über eingebaute Infrarot-Sperrfilter verfügen, verlängern sich die Belichtungszeiten beim Einsatz eines Infrarotfilters ins Unermessliche. Nur bei Sonnenschein und mit Stativ sind vernünftige Bilder möglich. Wer sich die Mühe macht, wird mit ungewöhnlichen Fotos belohnt. Pflanzen erscheinen nach der richtigen Bearbeitung schneeweiß, Wasserflächen und der Himmel tiefschwarz, Wolken heben sich majestätisch ab. Etwas Fummelei ist jedoch die Fokussierung, da man durch den Sucher nichts mehr sieht. Am Besten ist daher kein Filter mit Drehgewinde, sondern zum Klemmen oder ähnlich. Aber fragen Sie nicht, wo man so etwas bekommt!

Die Ostküste Korsikas – fotografisch unspektakulär?

In der Castagniccia Canon D60, EF 28-135 IS, f16 1/180s

In der Castagniccia
Canon D60, EF 28-135 IS, f16 1/180s

Willkommen in der kindersicheren Zone, fotografisch äußerst herausfordernd – es erwarten Sie lange Sandstrände. Nein, ich spreche nicht von träumerischen Buchten mit breitem Sandstrand, Palmen im Wind und türkisfarbenem Wasser. Es ist wirklich nur ein ordinärer monotoner Sandstrand, fotografischer Spaßfaktor gleich null, sofern Sie nicht Meerjungfrauen knipsen möchten. Die Mücken fressen hier sogar aus der Hand, die Wellen sind meistens äußerst überschaubar.

Natürlich ist es schön, aber schließlich sind wir auf fotografische Leckerbissen aus, die gibt es wo anders. Die Traumstrände gibt es auch, weiter südlich und weiter westlich können Sie eine eigene Sichelbucht suchen, ganz für sich alleine. Dabei findet ein guter Fotograf freilich überall ein Motiv. Die Ostküste ist ein Badestrand sondergleichen, flach wie eine Flunder. Selbst die beeindruckenden Bergmassive rücken hier in weite Ferne, das Hinterland wird bewirtschaftet und agrartechnisch genutzt.

Auch FKK-Strände gibt es hier Canon D60, EF 28-135 IS, f5.6 1/350s

Auch FKK-Strände gibt es hier
Canon D60, EF 28-135 IS, f5.6 1/350s

Es ist aber auch die preislich attraktivste Region Korsikas, es gibt weitläufige Ferienanlagen, es lässt sich hier gut aushalten zwischen den Ausflügen zum Rest der Insel. Hotels und andere Bunker, überfüllte Strände – das gibt es auf Korsika meines Wissens nirgendwo. Auch ist der Strand nach Sonnenuntergang oft menschenleer, wenn man in der Nebensaison reist kann dies auch den ganzen Tag lang zutreffen. Die Entdeckungen macht man hier eher im Hinterland und an den ersten Berghängen. Niedliche Örtchen wie Cervione schmiegen sich an den Berghang und erlauben einen tollen Ausblick. Ich habe gehört, die Kneipe gegenüber der Kirche soll ganz leckeres Menü bieten.

Fototechnik: Was tun bei zu wenig Licht?

Ein unterbelichtetes oder verrauschtes Foto lässt sich retten. Ein verwackeltes Foto kaum, was den heutigen Stand der Bildbearbeitung angeht. Neue Forschungen versprechen spannende Entwicklungen, einstweilen sollten Sie aber folgende Maßnahmen ergreifen, wenn das Motiv zu dunkel ist, aber unbedingt aufgenommen werden muss.

1. ISO-Wert erhöhen: Das entstehende Bildrauschen kann mit spezieller Software am leichtesten reduziert werden.

2. Unterbelichten/pushen: Wenn Sie in RAW fotografieren, können Sie bis zu zwei Blendenstufen unterbelichten, um kürzere Verschlusszeiten zu erhalten. Später kann dann wie früher in der analogen Fotografie die Belichtung korrigiert werden. Es entsteht Rauschen, aber so kann eine Kamera, welche normalerweise beispielsweise nur ISO 1600 unterstützt, sogar ISO 6400 simulieren.

3. Blitz: So banal es klingt, auch im Freien kann ein Blitz helfen, wenn er stark genug ist. Das Blitzlicht entspricht tagsüber weitestgehend der Farbtemperatur des Lichtes.

Die jüngeren Besucher Korsikas könnten sich gar ob de mageren Unterhaltungsangebote anfangen zu langweilen. Für Tipps diese Gegend betreffend schauen Sie bitte in den Reiseführer Ihres Vertrauens. Zu sehen gibt es auch hier jede Menge, zum Beispiel eine Farm für Duftöle und Essenzen nahe Moriani-Plage, geführt seit langem von einer deutschen Familie.

Die Westküste Korsikas

Zu Besuch in Porto Canon D60, EF 28-135 IS, f4.5 1/250s

Zu Besuch in Porto
Canon D60, EF 28-135 IS, f4.5 1/250s

Die Westküste erschließt sich nicht so leicht und schnell wie die Ostküste. Die Straße windet sich um die vielen Buchten. Viele Luxushotels – teilweise mit dreistelligen Tagespreisen – haben ihre eigene Bucht. Wenn man Glück hat, kann man an der Westküste recht hohe Wellen erwischen. Den Surfern macht das sowieso Spaß, vor allem aber ist es eine schöne Abwechslung zur Ostküste. Aber Vorsicht, über den Sandstrand geschliffen zu werden kann eine ganz neue Erfahrung werden, halten Sie Ihre Badekleidung fest. Apropos Baden: Die Franzosen sind sind manchmal etwas kritisch gegenüber FKK oder Oben-Ohne-Baden. Manche Strände sind jedoch auch explizit als FKK-Strände ausgewiesen.

Die Westküste ist sicherlich am zeitaufwändigsten. Ich muss gestehen, auch ich kenne den größten Teil noch nicht. Ajaccio muss man sicherlich mal besucht haben, die Stadt ist für korsische Verhältnisse eine Metropole. Sie ist relativ großzügig angelegt und liegt an einem Golf. Sie ist nicht so gedrungen und kantig wie Bastia. Die Geburtsstadt Napoléons macht dennoch einen relativ gemütlichen Eindruck, gilt als bedeutendste Stadt Korsikas und geizt wie das restliche Korsika ebenfalls nicht mit Gegensätzen. Fotografen sollten die Augen offenhalten und ein bisschen Straßenfotografie und Schnappschüsse üben. Natürlich hat die Westküste viel mehr zu bieten als nur Ajaccio.

Interessant, oder besser schaurig-schön, sind die tiefdunklen Strände bei Nonza und Marine d’Albo. Das bis hierhin üppige Grün weicht urplötzlich einem kahlen, grauen Gestein. Ein 1966 stillgelegter Asbest-Tagebau (franz. »amiante«) ist die Ursache für die verseuchten Strände. Bei den Menschen der Halbinsel weckt dies keine schönen Erinnerungen. Viele Arbeiter starben damals an unheilbaren Krankheiten. Nur auf Korsika verwandte man Asbest als Grundstoff für Keramik. Die Asbestadern wurden unter oft sehr mühseligen Bedingungen abgebaut. Die Formen waren sehr archaisch, und das Handwerk setzte sehr viel Sorgfalt und Geschicklichkeit voraus.

Die Südspitze

Stolz thront Bonifacio auf den Klippen über dem Meer Canon EOS 350D, EF 17-40L, f13 1/320s

Stolz thront Bonifacio auf den Klippen über dem Meer
Canon EOS 350D, EF 17-40L, f13 1/320s

Bonifacio Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f7.1 1/100s

Bonifacio
Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f7.1 1/100s

Mit einigen Adjektiven lässt sich der Süden Korsikas recht treffend beschreiben: touristisch, weich, erschlossen. Durch seine freundliche Landschaftsformation war der Süden schon früh für die Besiedlung prädestiniert. Die touristischen Zentren Bonifacio, Porto Vecchio und Propriano liegen alle hier im Siedlungsgebiet, heute das umsatzstärkste Touristengebiet der Insel. Auch geschichtliche Fundstätten (prä-)neolithischer Kulturen häufen sich hier.

Die Straßen hier sind am Besten ausgebaut, und wer Bonifacio betritt (oder besser besteigt) wird keinen Zweifel mehr daran lassen, dass Korsika beliebt ist wie schon lange nicht mehr. Kitschbuden, Souvenirkisten und sehr interessante Krämergeschäfte drängen sich hier in den schmalen Gassen der Stadt auf der Klippe. Es macht Spaß, den Ausblick zu genießen und allerlei Krams zu bestaunen. Nur eine Bitte: Versuchen Sie nicht, auch noch den letzten Anstieg in die Stadt mit dem Auto zu erreichen. Sie werden ja doch wieder herunterfahren müssen. Eine sehr gute Parkmöglichkeit ist der nahegelegene Privatparkplatz für Bootsausflüge. An diesen müssen Sie nicht teilnehmen, aber wer kann sich schon über sechs Euro Parkgebühr für den ganzen Tag beklagen. Denn den ganzen Tag werden Sie hier schon brauchen, wenn Sie etwas sehen wollen.

Die Hafenstadt Porto Vecchio zählt zu den teuersten Städten Korsikas. An einem natürlichen Hafen gelegen, lohnt auch hier der Besuch. Nur das Mittagessen sollten Sie vielleicht lieber außerhalb einplanen. Mehr kann ich nicht dazu sagen, da ich noch nicht dort war. Ebenfalls nicht in Sarténe und Propriano. Man kann eben nicht alles an einem Tag haben. Bitte entdecken Sie doch selbst und berichten Sie mir, wenn Sie Lust haben, gerne auch mit fotografischem Material.

Das Nordkap (Cap Corse)

Ein paar Häuschen, ein paar Boote, ein Hotel und die nächste Bucht Canon EOS 350D, EF 17-40L, f11 1/80s

Ein paar Häuschen, ein paar Boote, ein Hotel und die nächste Bucht
Canon EOS 350D, EF 17-40L, f11 1/80s

Wie ich bereits schrieb sollte man die Reiserichtung in bezug auf die Klippe neben der Straße beachten. Ansonsten ist das Cap Corse, oder auf korsisch Capi Corsu, eher unspektakulär. Nun, das bedeutet lediglich, dass hier weder die höchsten Berge noch die romantischsten Landschaften oder die schönsten Strände liegen. Und dennoch sollte kein Besucher den Norden ausklammern, denn er glänzt durch seine Vielfalt.

Fototechnik: schwierige Lichtverhältnisse

Wer das Nordkap umfährt um Fotos zu machen, sollte den Stand der Sonne beachten. Dennoch, man wird hier immer auf problematische Lichtsituationen treffen, allen voran Gegenlicht und starke Kontraste. Wenn das Meer die Sonne zurückwirft, kann keine Kameraautomatik mehr mithalten, und der Tonwertumfang jedes Films und jedes Digitalsensors erst recht wird gnadenlos gesprengt.

Es gibt einige Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Sie am Ende des Urlaubs nicht mit einem Haufen falsch belichtetem Ausschuss an Fotos dastehen.

1. Lieber ein Bild zu viel als zu wenig. Das gilt auf solchen Reisen ohnehin. Versorgen Sie sich mit genügend Speicherkapazität. Externe Imagetanks können hier eine große Hilfe sein, auch ein eigener Laptop. Dann kann man die entstandenen Werke auch gleich begutachten. Wer Korsika besucht, hat in der Regel die finanziellen Mittel für so ein Spielzeug oder nennt es schon sein eigen.

2. Schießen Sie in RAW. Dies bietet verglichen mit JPG einen erhöhten Dynamikumfang und noch etwas Raum für Korrekturen in Belichtung und Weißabgleich.

3. Machen Sie eine Belichtungsreihe. Moderne Kameras bieten eine solche Funktion in der Regel an. Wählen Sie den Blendenabstand lieber großzügig, wenn die Kontraste hoch sind.

4. HDR und DRI für die geduldigen Profis. Wenn Sie ein Stativ dabeihaben, versuchen Sie eine Belichtungsreihe des gleichen Motivs. Sie können anschließend mit verschiedenen mathematischen Bildbearbeitungsmethoden (High Dynamic Range und Dynamic Range Increase) ein Bild zusammensetzen, welches überall korrekt belichtet ist.

5. Entscheiden Sie sich. Nicht immer muss alles auf einem Foto korrekt belichtet sein. Stichwort: Silhouette. Lassen Sie den bedeckten Himmel lieber überstrahlen und nehmen Sie den Horizont um Gottes Willen aus der Bildmitte.

Das Kap ist keine Touristenregion. Viel mehr als Tagesreisende trifft man hier nicht. Somit hat sich die Landschaft viel Ursprünglichkeit bewahrt. Fotografisch ein Leckerbissen, da man an einem Tag von der Westküste zur Ostküste fahren kann, bei wechselndem Licht und im Norden mit Ausblick auf die angrenzenden Inseln. Apropos Ausblick, hier wieder ein kleiner Tipp: Nach ausgedehnten Regengüssen, welche oft auf eine Periode drückender schwüler Hitze folgen, ist nicht nur die Sicht kilometerweit garantiert, sondern auch die Temperatur angenehmer. Aber welcher Urlauber kann es sich schon in seinen ein bis drei Wochen leisten, auf das Wetter zu warten?

Der äußerste Norden ist eine der wenigen Regionen auf Korsika, in denen viele Menschen noch vom Fischfang leben. Kleine Hafenstädtchen wie das nördlichste Macinaggio beherbergen heute zwar keine korsische Marine mehr, aber die kleinen Fischerhäfen versprühen einen ganz eigenen Charme, wenn die mageren schwarzen Hafenkatzen um die Fischkutter schleichen auf der Suche nach essbaren Überresten. Äußerlich ist das Nordkap bereits von der Fähre aus an dem dutzend moderner Windräder zu erkennen, die hoch über dem Meer aufgestellt sind. Neben den Fischerhäfen finden sich aber auch jede Menge kleiner Jachthäfen, ein beliebter Zwischenstopp für Segler und andere Wasserreisende.

Nun gehört auch Bastia zum Norden Korsikas. Ein bisschen erweckt die Stadt den Eindruck eines Fremdkörpers. Die meisten Touristen kennen Sie nur aus der Hafenperspektive, denn hier legen die Festlandsfähren an. So wird sie oft links liegen gelassen, wenn sich die Blechlawine nach Süden quält, zu den interessanteren Regionen Korsikas. Auch war keine andere Stadt Korsikas war so häufig Ziel von Anschlägen korsischer Separatisten. Einige Ecken der Stadt sind zugemüllt wie Neapel. Dennoch, etwas zu Unrecht wird diese Stadt so häufig übersehen. Die ambivalente Mischung von Neuem und Alten ist faszinierend und aufdringlich. Alte Gemäuer und neue Bauten, romantische Häfen und Industrieviertel, Provinz und Stadt treffen hier aufeinander und erzeugen eine aufregende Atmosphäre. Laut und unmittelbar ist das Leben in Bastia, wo das Meer, die Ebene und die Berge aufeinanderstoßen. Bastia ist weder die größte Stadt noch die Hauptstadt, es ist also nicht Ajaccio, aber es ist das wirtschaftliche Zentrum.

Das Inland und die Gebirge

Infrarot- oder Schwarzweiß-Fotografen kommen hier auf Ihre Kosten Canon EOS 350D, EF 17-40L, f7.1 20s, Infrarotaufnahme

Infrarot- oder Schwarzweiß-Fotografen kommen hier auf Ihre Kosten
Canon EOS 350D, EF 17-40L, f7.1 20s, Infrarotaufnahme

Die wahren Geheimnisse Korsikas, dessen Unberührtheit und Flair verbergen sich im Inland. Dies lockt mit malerischen Tälern, wilden Gebirgszügen und alten, einst einflussreichen Städtchen. Corte liegt mittendrin als Verkörperung der korsischen Kultur.

Einst die Hauptstadt Korsikas unter Pasquale Paoli, ist Corte heute ein beliebter Zwischenstopp auf dem Weg in eines der vielen Täler mit ihren sich um riesige Steine windenden Flüsschen. Hier treffen der Tavignano, der Restonica und der Orta zusammen. Rundherum ragen die steilen Felswände der Bergmassive auf, des Tavignano-Tals und des Grabenbruchs. Wieder ein kleiner Überlebenstipp: Wir sind hier weit entfernt von der Küste, die Temperaturen liegen oft weitaus höher als im windverwöhnten Flachland. Es ist sicherlich keine gute Idee, mittags um zwölf bei 35 Grad im Schatten durch die Altstadt Cortes zu schlendern. Vielleicht sollten Sie bis es sich nachmittags etwas abkühlt den Tag im Restonica-Tal verbringen. Sofern Sie kein zu großes Auto haben und es nicht Sonntag Nachmittag ist, wenn das langgestreckte Tal unter der Last der Wochenendbesucher ächzt.

Weiter südlich liegt Zonza, ein kleines Bergdorf mit kleinem touristischem Kern. Es ist ein Verkehrsknotenpunkt und liegt auf dem Weg in das Col de Bavella. Vorher durchquert man noch dichte Schwarzkiefer und Kastanienwälder, bevor man schließlich auf relativ gut ausgebauter Straße die höchsten Bergregionen Korsikas erreicht. Der zweithöchste korsische Straßenpass liegt auf 1218 m ü. NN und führt direkt bis zum Gipfelplateau, welcher ein Zielpunkt vieler Touristen und Pilgerer ist. Ja sogar Reisebusse verkehren hierher. Gegenüber lassen sich die Aiguilles de Bavella (Bavella-Nadeln) bestaunen.

Der Ausblick auf dem Plateau und während der Fahrt entlohnt allerdings den touristischen Massenunfall auf dem Gipfel. Im Sommer werden hier auch zum Teil saftige Parkgebühren erhoben, da der Gipfel tatsächlich eine der Regionen Korsikas ist, die zeitweise hoffnungslos überrannt sind. Die 1954 am Col de Bavella errichtete Monumentalstatue Notre-Dame-des-Neiges ist am 5. August jedes Jahres Ziel einer viel besuchten Wallfahrt. Vorsicht auf der Rückfahrt, eine Familie wilder Hausschweine macht es sich gerne auf der Straße bequem, wohl wissend, dass die Touristen immer etwas zu fressen dabei haben. Dann werden die Tiere teils recht anhänglich.

Die Geschichte Korsikas

Die Menhiren: Zeugen einer vergangenen Epoche der Menschheitsgeschichte Canon EOS 350D, EF 17-40L, f11 1/60s

Die Menhiren: Zeugen einer vergangenen Epoche der Menschheitsgeschichte
Canon EOS 350D, EF 17-40L, f11 1/60s

Was die Geschichtswissenschaft angeht, wurde die Insel lange Zeit quasi ignoriert. Erst seit kurzer Zeit beginnt sich die Archäologie für sie zu interessieren. Die Korsen selbst waren zu beschäftigt, auf der wirtschaftlich gesehen nicht grade reichen Insel zu überleben. Neben dem Überlebenskampf, den Clanzwistigkeiten und den Unabhängigkeitskämpfen bleib für die eigene Geschichte keine Zeit. Erst in den letzten Jahrzehnten wird die korsische Frühgeschichte und Neuzeit genauer unter die Lupe genommen. Man darf sicher sein, dass die Macchia noch so manches Geheimnis preisgeben wird.

Wer weiß, wo er suchen muss, findet zahlreiche Zeugen vergangener Zeiten. Überall auf der Insel finden sich große Megalithen, tausend Jahre älter als die Pyramiden in Ägypten oder Stonehenge auf der britischen Insel. Womöglich dienten auch sie mathematisch-astronomischen Zwecken. Vielleicht waren sie aber auch Teil eines Totenkultes. Wer mehr dazu wissen möchte, findet in den besseren Reiseführern zu Korsika genügend Material.

Nun, wir sind hier fotografisch interessiert unterwegs, daher klammere ich einen Großteil der Geschichte hier einmal aus. Einen Blick wert, und ohnehin unübersehbar, sind die genuesischen Wachtürme vor allem am Cap Corse. Eine Anordnung von großen Steintürmen entlang der Küste, als Nachrichten und Warnsystem konzipiert welches mit Hilfe von Rauch- oder Lichtzeichen funktionierte. Von einem Turm lässt sich der jeweils nächste immer erblicken. Ein bisschen wie die Fackeltürme in der Verfilmung von Herr der Ringe, möchte man meinen. Sie sind Überreste des einstigen genuesischen Verteidigungsgürtels und in dieser umfassenden Form sonst nirgendwo zu finden.

Nicht so schön…

Kleine Örtchen wie Zonza ächzen unter der täglichen Verkehrslast Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f7.1 1/250s

Kleine Örtchen wie Zonza ächzen unter der täglichen Verkehrslast
Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f7.1 1/250s

Stetig steigt die Anzahl der Touristen auf Korsika, inzwischen kann man fast schon von einem kleinen Boom sprechen, den die Insel erlebt. Nun muss sich sicherlich niemand Sorgen machen, dass die Korsen ihre schöne Heimat unkontrolliertem touristischem Baugewerbe und Reiseveranstaltern überlassen. Vermutlich würden hässliche Hotelklötze noch vor der Fertigstellung durch die lokalen Anhänger korsischer Unabhängigkeitsbewegungen gesprengt – wohlgemerkt, in der Regel ohne dass Menschen zu Schaden kommen. Viele Korsen wollen es nicht zulassen, dass ausländische Kapitalgeber die Insel besetzen.

Folgen der vielen Besucher, vor allem aus Frankreich und Italien, sind dennoch sichtbar. Manches Tal, das vor Jahren noch wildromantisch und als Geheimtipp gehandelt wurde, ist heute vor allem an Wochenenden völlig überlaufen. Die Straßen im Solenzara-Tal sind ausgebaut worden, die Parkplätze ebenfalls. Eine schier endlose Blechlawine stürmt an sonnigen Tagen die zahlreichen Badestellen an den Wildbächen, so dass sich mancher Tourist empört abwendet und sich fragt, wo die unbewohnte Wildheit der Insel geblieben ist. Zum Teil bekommt man nicht einmal mehr einen Parkplatz. Das Restonica-Tal ist noch nicht soweit, aber auf dem besten Weg dahin. Im Moment ist es noch relativ unbekannt. Übrigens, im Hotel Restonica bekommen auch Besucher auf Durchfahrt ein hervorragendes Eis serviert. Unbestreitbar ist der Vorteil der regen Straßenbautätigkeit der letzten Jahre, dass viele Orte heute mit weit weniger Stress und Mut an der Klippe erreichbar sind. Leider geht dabei auch etwas Nervenkitzel baden.

Eine andere unschöne Seite Korsikas trifft man überall, wo sich Menschen aufhalten. Nun, genau genommen sind es vor allem die Franzosen, die Ihren Müll überall verstreut lassen. Das muss man leider so sagen, der Autor durfte das wiederholt beobachten. Man darf jedenfalls gespannt sein, was sich die Korsen einfallen lassen, um ihre schöne Insel vor diesen und anderen Problemen zu schützen. Bereits recht gut im Griff haben sie jedenfalls das bekämpfen der regelmäßigen Waldbrände.

Wenn sich der Himmel rot färbt

So könnte es aussehen, wenn man einem Waldbrand zu nahe kommt Canon EOS D60, EF 28-135 IS, f11 1/60s

So könnte es aussehen, wenn man einem Waldbrand zu nahe kommt
Canon EOS D60, EF 28-135 IS, f11 1/60s

Waldbrände sind ein Problem auf Korsika. Deswegen sollte man als Autofahrer darauf verzichten, in bewaldeten oder von der Macchia überwucherten Gebieten Zigaretten aus dem Autofenster zu schnippen. Mehrere Löschflugzeuge und Hubschrauber sind in den Sommermonaten ständig damit beschäftigt, zum Teil sogar absichtlich gelegte Brände zu löschen.

Stausee Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f11 1/200s

Stausee
Canon EOS 350D, EF 70-300 DO IS, f11 1/200s

Die Feuerwehr ist sehr gut ausgestattet und nach langer Dürre immer in Bereitschaftsstellung. Es kommt vor, dass ganze Landstriche abbrennen und danach lange Zeit den Eindruck einer trostlosen Mondlandschaft machen. Zugegeben, auch das gehört zu Korsika, und auch das hat seinen Reiz. Es gehört einfach dazu wie die allgegenwärtigen Esel und Schweine auf der Straße.

Fototechnik: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Gute Fotografien sind entweder akribisch geplant, zumindest aber war der Fotograf zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Nichts ist entmutigender, als Mittags bei hochstehender Sonne eine Steinwüste zu fotografieren.

Morgens und abends steht das Licht in flachem Winkel zur Erde, Objekte treten plastisch hervor und lange Schatten erhöhen den Tiefeneindruck auf Bildern. Abends kommt zudem ein warmer Farbton ins Bild. Wichtig ist, hier bei der digitalen Entwicklung oder bereits beim fotografieren nicht akribisch den perfekten Weißabgleich zu machen. Lieber etwas wärmer, um die Stimmung auch richtig wiederzugeben. Mittags erhalten Bilder oft einen leichten Blaustich.

Städte und kleine Ortschaften entfalten auch in der blauen Stunde und nachts ihren Reiz, vergessen Sie ihr Stativ nicht und fangen Sie die malerische Stadt- und Hafenbeleuchtung ein, vielleicht noch mit Wasserreflektionen.

Am schwierigsten zu planen, insbesondere auf Korsika, ist das Wetter. Es ist beinahe schon Glück, zum Sonnenuntergang auch noch dunkelblaue Gewitterwolken in den Bergen zu haben. Ist es dann einmal so weit, sind auf Korsika sehr schöne Gewitterfotografien möglich.

Internetzugang auf Korsika

Verirrtes Treibgut im Fluss der Gezeiten Canon EOS 350D, EF 17-40L, f10 30s

Verirrtes Treibgut im Fluss der Gezeiten
Canon EOS 350D, EF 17-40L, f10 30s

Vor einigen Jahren noch hatte man Glück, wenn man in einem der Internetcafés in größeren Städten ein Stündchen mit der Welt konnektieren konnte. Inzwischen bieten viele Touristenzentralen auch in kleineren Örtchen WLAN-Hot Spots an. Unbedingt dabeihaben sollte man allerdings den Laptop, um in den Genuss kostenlosen Internets zu kommen.

Ob es allgemein üblich ist, kann ich nicht sagen, aber mit einer Eigenart dieses Angebots muss jeder für sich klarkommen. Man ist verpflichtet, seine Adresse und Unterschrift zu hinterlassen, samt der Login-ID die man benutzt. Somit ist man praktisch schutzlos einer möglichen Überwachung ausgeliefert – Netzneutralität ade. Jedenfalls solange man die korrekte Adresse angibt… Immerhin noch sympathischer als Italien, wo inzwischen der Personalausweis in Internetcafés verlangt und als Pfand einbehalten wird.

Schlusswort

Korsische Vegetation Canon D60, EF 28-135 IS, f4 1/125s

Korsische Vegetation
Canon D60, EF 28-135 IS, f4 1/125s

Wie Sie sehen, ist Korsika kein Ziel für einen Kurzurlaub. Wer sich ernsthaft mit der Insel anfreunden möchte, wird die nächsten paar Urlaube einplanen müssen. Ich bedanke mich für Ihre Geduld und hoffe, die Lektüre konnte Ihnen einige Entscheidungen erleichtern und einige unbekannte Tipps geben.

Nützliche Links

» www.paradisu.de
» Korsika.fr
» Frankreich A-Z
» Ferienwohnungen in Cargese
» Korsika-Forum.de
» korsika-urlaub.org
» korsika-info.nl
» stella-corsica.com
» rico-tours.de
» Korsika-Entdecken.de
» Webdesign

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